Traditionsschiffen steht das Wasser bis zum Hals

Die Traditionsschifffahrt ist in arger Bedrängnis. Immer mehr der zur See fahrenden Oldtimer können die Bestimmungen der 2001 festgelegten Sicherheitsrichtlinien nicht mehr erfüllen und dürfen den Hafen nicht verlassen. „Ein großes Problem nicht nur für die Betreiber und die Fans, sondern auch für alle Küstengebiete, an denen die schwimmenden Denkmäler die Geschichte der Seefahrt lebendig halten und ein Stück der kulturellen Identität der Küstenregionen darstellen“, findet Uwe Santjer.

Der örtliche Landtagsabgeordnete hatte, der zum Gespräch über die Zukunft der Traditionsschifffahrt auf das Cuxhavener Feuerschiff „Elbe1“ geladen.

Gemeinsam mit Uwe Beckmeyer, Bundestagsabgeordneter und maritimer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion, und dem örtlichen Bundestagskandidaten Gunnar Wegener konnte Santjer zahlreiche Vertreter der Traditionsschiffe der umliegenden Häfen sowie den Vorsitzenden der GSHW (Gemeinsame Kommission für die Sicherheit historischer Wasserfahrzeuge), Thomas Hoppe, an Bord der Elbe 1 begrüßen.

Während des Gesprächs wurden die drängendsten Probleme schnell deutlich. So wurde die Sicherheitsrichtlinie für Traditionsschiffe seit 2001 nicht mehr überarbeitet, und die darin enthaltene Formulierung des „historischen Wasserfahrzeugs“ sorgt mit seiner unklaren Definition für reichlich Zündstoff. Denn es ist nicht festgeschrieben, was denn nun ein „historisches Wasserfahrzeug“ definiert. So sorgen Umbauten, die in den letzten Jahrzehnten vorgenommen wurden, nun dafür, dass die Schiffe nicht mehr als historisch korrekt gewertet werden. „Aber ohne entsprechende Umbauten können wir auf manchen Schiffen keine Passagiere befördern und bewirten“, wissen die Verantwortlichen der Traditionsschifffahrt. Eine fehlende Zulassung seitens der Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft führt zu Einnahmeausfällen und Kosten – jeder Tag im Hafen bringt die klammen Kassen der Vereine in Bedrängnis. Wie Thomas Hoope hervorhob, wird diese Problematik die Zukunft der Traditionsschifffahrt gefährden. „im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch 150 Traditionsschiffe – heute sind es noch 105“, so der Vorsitzende der GSHW. „Wir verlieren jedes Jahr rund 10% der Schiffe.“

Auch der Bundespolitiker Beckmeyer konnte diesen Negativtrend bestätigen. Die SPD-Bundestagsfraktion dränge darauf, das Problem durch klare, erfüllbare Kriterien für die Zulassung von Traditionsschiffen zu lösen. „Nur so kann Rechtssicherheit für die Betreiber geschaffen werden“, so Beckmeyer, der darauf hinwies, dass die amtierende Bundesregierung derzeit nicht bereit sei, Änderungen vorzunehmen. Dass dies zu Lasten der maritimen Kultur ginge, sei wohl nicht allen bewusst.

Die SPD-Politiker stellten gemeinsam mit Hoppe als Vertreter der GSHW klare Forderungen: Es müsse eine neue Sicherheitsrichtlinie gefunden werden und als Sofortmaßnahme solle es einen Bestandsschutz von maximal zwei Jahren für alle Fahrzeuge gebe, bis die neue Richtlinie in Kraft trete. Dabei ginge es keinesfalls um Kompromisse in Sachen Sicherheit, sondern um klare Regeln und Bestimmungen, an denen sich die Betreiber der Traditionsschiffe, überwiegend private Vereine, orientieren können.

Gunnar Wegener unterstreicht: Die Traditionsschiffe brauchen für 2013 Rechtssicherheit, um ihre Arbeit weiter ausführen zu können. Ein breiter Beteiligungsprozess ist bei der Festlegung einer neuen Sicherheitsrichtlinie nötig, und die Traditionsschiffer wünschen sich eine fachliche Unterstützung.