Kolumne: Ganztagsschule, ein Schritt zur Bildung für Alle

Der Achtklässler sagt mir, dass ich mich dafür einsetzen soll, dass Schülerinnen und Schüler nur noch 40 Std. die Woche arbeiten sollen. Selbst die Hausaufgaben sind oft nur durch die Begleitung der Nachhilfe zu schaffen. Liebe Leserin, lieber Leser, an Haupt- und Realschulen weisen die Stundentafeln für die achte Klasse 30 und an Gymnasien 33 Wochenstunden aus. Oft wechseln die Fächer und damit die Themen im 45 Minuten Rhythmus. Immer wird volle Konzentration erwartet.

Ein Wechsel von An- und Entspannung ist selten gegeben. Das ist eine Höchstleistung von Schülerinnen und Schülern, damit auch für Lehrerinnen und Lehrer. Nicht selten geht der Unterricht bis in die Nachmittagsstunden hinein, ohne dass eine wirkliche Mittagspause eingeplant ist.

Nach dem Schulschluss beginnen Hausaufgaben, die Vorbereitungen auf Referate und Arbeiten. Der Junge erzählt, dass er noch Nachhilfe bekommt. Zweimal die Woche. Er ist damit nicht allein. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung erhält jeder vierte deutsche Schüler Nachhilfe. Ein eigener Markt hat sich entwickelt, für den Eltern in Deutschland jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro ausgeben. Durch die Empfehlungen für die Schullaufbahn nach der vierten Klasse bekommen immer mehr Grundschüler Nachhilfe. Die Fachleute sprechen von einem allarmierendem Zeichen und vermuten, dass der Druck auf Kinder, aber auch auf Eltern bereits in der Grundschule zunimmt. Es gehen nicht nur die Kinder zur Nachhilfe, die vom "Sitzenbleiben" bedroht sind, sondern auch die mit guten und befriedigenden Noten. Durch das private Unterstützungssystem sind wir längst in einer zweiklassen Bildungsgesellschaft angekommen. Es gibt die, die es sich leisten können Nachhilfe zu finanzieren und eben die, die allein zurecht kommen müssen. Mit dem Recht auf Bildung sind solche Tendenzen nicht vereinbar! Und vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sowie des Fachkräftemangels können wir es uns als Gesellschaft nicht leisten, nur einen Jugendlichen zu übersehen. Die Realität sieht anders aus. Deshalb ist es richtig, dass die Landesregierung die Ganztagsschule besser fördert und zum Herzstück ihrer Bildungsoffensive erklärt hat. Ab dem Schuljahr 2014/2015 aufsteigend, werden die Mittel für Ganztagsschulen in Niedersachsen verdreifacht. Die rot/grüne Landesregierung wird den Berechnungsmodus teilnehmerbezogen ermitteln. Bisher richtete sich dieser nach das Anzahl der Klassen. Beim Ganztag, der je nach Schule an mindestens drei Tagen die Woche angeboten werden soll, wird ein warmes Mittagessen zur Verfügung gestellt. Es besteht mit der Mittelaufstockung die Chance, den individuellen Lebens- und Lernbedürfnissen der Einzelnen besser nachkommen zu können. Dem Wechsel von An- und Entspannungsphasen kann eher nachgekommen werden. Der Erlass sieht vor, dass eine angemessene Vielfalt der außerunterrichtlichen Angebote, auch mit Hilfe der Kooperationspartner erreicht werden kann. Dazu zählen Sportangebote genauso wie musisch-kulturelle, handwerkliche, naturwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche und Angebote zur Entwicklung der Sozialkompetenz. Die Zeit für Hausaufgaben soll in den Tagesablauf integriert werden.

Liebe Leserin, lieber Leser, die Ganztagsschule kann Druck nehmen und dem Wunsch des Achtklässlers auf eine 40 Std./Woche entgegenkommen. Lassen Sie uns die Schulen positiv begleiten!

 

Ihnen eine gute Zeit

Ihr Uwe Santjer