70. Pädagogische Woche der GEW

Grußwort 70. Pädagogische Woche des Bezirksverbandes Lüneburg der GEW in Cuxhaven-Duhnen 17.- 21. November 2014 „Wer seinen Schülern das ABC gelehrt, hat eine größere Tat vollbracht als der Feldherr, der eine Schlacht geschlagen.“ Dieser Vergleich, den der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz vor etwa 300 Jahren anstellte, mag für heutige Ohren etwas befremdlich klingen, in der Sache hat er aber völlig Recht.

Landtagsabgeordneter Uwe Santjer

Unbestreitbar ist es eine große, eine unverzichtbare Tat, das angesammelte Wissen an die nächste Generation weiterzugeben und junge Menschen darin zu begleiten, fit für heute und für  die Zukunft zu werden. Und ebenso unbestreitbar erfüllt die Schule deshalb in unserer Gesellschaft eine ganz zentrale Aufgabe. Von daher freue ich mich, sie als Bürgermeister der Stadt Cuxhaven zur  70. Pädagogischen Woche des Bezirksverbandes Lüneburg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßen zu dürfen. Fühlen Sie sich wohl in diesem Haus, aber auch in der Stadt selbst (so es ihre Zeit erlaubt). „Raus aus dem Hamsterrad – mehr Zeit für Bildung“ ist das Motto der Veranstaltungswoche die mit vielen Arbeitsgruppen und Vorträgen zum gemeinsamen Nachdenken anregen soll.

Wir können, und da tausche ich die Rolle zum SPD Landespolitiker, uns immer weiter im Hamsterrad bewegen und wir können viel dafür tun, dass wir darin verharren.

Gelingen kann das, wenn wir nichts in Frage stellen, wenn wir nicht bereit sind, Grundlegendes zu ändern und wenn wir….wie sie es schreiben, über die Sonntagsreden nicht hinaus kommen, weil wir uns vieles vornehmen, aber nichts anpacken… Dann werden wir fröhlich weiter im Hamsterrad bleiben.

Und es stellt sich für mich die Frage, wer was dazu beitragen kann, dass sich was verbessert. Ich bin davon überzeugt, dass jede Schülerin und jeder Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Verwaltung, Gewerkschaften und Politik an Stellschrauben sitzen, die zu drehen sind.

Ich weiß, dass die Stellschraube, die durch Politik gedreht wird die ist, mit der die meisten Erwartungen verbunden sind.

Deshalb sind Sie als Lehrerinnen und Lehrer von heftigen bildungspolitischen Debatten und Reformen als erstes betroffen.

Der PISA-Schock wirkt anscheinend nach, die bereits getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung unseres Schulsystems müssen umgesetzt und begleitet werden, weitere Veränderungen stehen an. Ob es nun die Lerninhalte sind oder die Dauer der Schulzeit, ob es um Schulformen oder die Lehrerfortbildung geht – an allen Ecken und Enden unseres Bildungssystems wird reformiert, über alle Schul- und Erziehungsfragen wird mit Eifer diskutiert. Das gibt Aufwind, aber das schafft auch Verunsicherung.

Mich ärgert das Bild, das in der Öffentlichkeit über Lehrerinnen und Lehrer kursiert – wie bei Politikern -, es  ist leider immer noch von Klischees und Vorurteilen bestimmt. Es ist schon seltsam, dass die Gesellschaft den Menschen, denen sie ihre Kinder anvertraut, anscheinend nur wenig zutraut. Was da alles kursiert, wissen sie selbst am besten. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Arbeit eines Lehrers, einer Lehrerin eben nicht so sichtbar ist, wie die eines z.B. Maurers. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Arbeitszeit nicht wirklich erfasst wird und ich bin davon überzeugt, kaum erfasst werden kann. Vielleicht neiden auch manche, dass es eine gewisse Freiheit gibt, in der Zeit und Aufgabeneinteilung wenn sie nicht mit ihren Schülerinnen und Schülern zusammen sind.

Und das ist schade, denn die Schule verfolgt ja – anerkanntermaßen – ein ungemein wichtiges Ziel – ein Ziel, das für die Einzelnen genauso bedeutsam ist wie für die Gesellschaft insgesamt. Zudem bekommt die Schule auch noch immer mehr Aufgaben zugesprochen. Was manche Elternhäuser nicht mehr leisten, aus welchen Gründen auch immer – die Schule soll es richten. Was die Gesellschaft als Ganzes nicht schafft – der Schule soll es gelingen. Konzentriertes Arbeiten beibringen, familiäre Probleme auffangen, Kinder aus Migrantenfamilien integrieren – das sind nur einige der Aufgaben, die heute neben der Vermittlung von ABC und Einmaleins von den Schulen geleistet werden soll. Sie wird hier von der Gesellschaft und auch von der Politik, wie ich zugeben muss, oftmals allein gelassen.

Umso wichtiger ist die pädagogische Woche, mit der sie nicht nur etwas für sich und die Schüler, sowie deren Familien leisten, sondern eben auch in der Öffentlichkeit wahrnehmbar die Themen benennen, die sie und damit unsere Gesellschaft herausfordern.

Unter diesen Bedingungen etwas zu erreichen und guten Unterricht zu machen, das fordert allen, die an einer Schule lehren und wirken, viel ab. Es geht um Menschen und die lassen sich nicht wie Akten hin und her verschieben. Aber das ist ja auch das Spannende und bei allen Problemen Erfüllende dieses Berufs. Jungen Menschen die Welt des Wissens nahe zu bringen, sie dabei zu unterstützen, ihre Talente zu entfalten, ihnen zu vermitteln, wie unsere Gesellschaft funktioniert und wie sie in ihr bestehen können – das ist im Grunde eine faszinierende Aufgabe.

Die Landesregierung legt mit dem Ganztagserlass einen wichtigen Baustein, der die Chance bietet, dem Einzelnen etwas gerechter zu werden… so hoffe ich jedenfalls.

Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern interessante Gespräche und den Dozenten, allen Ausrichtern und fleißigen Helfern, die zum Gelingen der Veranstaltungswoche beigetragen haben ein positives Erlebnis. Vielen Dank!