Kirchen-Zeitung – Die Woche im Bistum Hildesheim

KirchenZeitung – Die Woche im Bistum Hildesheim - 07.01.2015 Uwe Santjer ist neuer kirchen- und religionspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Einmischen ist erwünscht Die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag hat einen neuen kirchenpolitischen Sprecher: Uwe Santjer aus Cuxhaven. Er setzt darauf, dass sich die Kirchen noch stärker in die Politik einmischen.

Als evangelischer Christ war Uwe Santjer Erzieher in katholischen Kindergärten, jetzt ist er kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.
Foto: Wala

Kirchen- und Religionsangelegenheiten – will sich ein Abgeordneter so ein oft schwieriges Arbeitsfeld freiwillig ans Bein binden? „Ja, ich habe mich aus Überzeugung für dieses Amt beworben“, betont der 49-Jährige.

Frei geworden ist das Amt durch den Mandatsverzicht von Claus-Peter Poppe. Der einzige Katholik unter den kirchenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen ist zum Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Artland gewählt worden. Ihm folgt nun mit Santjer ein evangelischer Christ – „aber mit starkem katholischen Einschlag“, wie der Sohn eines Kutterfischers und Vater zweier Töchter herausstellt.

Als Erzieher in katholischen Kindergärten tätig

Das hat mit seinem Berufsweg zu tun: Santjer hat eine Ausbildung zum Erzieher gemacht. Eine seiner ersten Berufsstationen führte ihn an die katholische Kindertagesstätte St. Marien in seiner Heimatstadt Cuxhaven. „Gerade als junger Erzieher hat mich diese Zeit sehr geprägt, vor allem die Gemeinsamkeiten im Glauben, die uns als Christen unterschiedlicher Konfessionen verbinden “, sagt Santjer. Zudem hat er eine gute Vorstellung davon bekommen, welche Dimensionen das Bistum Hildesheim hat. Drei Jahre später wechselte er als stellvertretender Leiter in die Kita St. Willehad, ebenfalls eine katholische Einrichtung: „Beiden Kindergärten bin ich heute noch sehr verbunden.“

Zum einen, weil er nach einem berufsbegleitenden Studium in Heilpädagogik und der Leitung eines evangelischen Kindergartens bis zu seiner Wahl in den Landtag als Fachberater und pädagogischer Geschäftsführer des lutherischen Kindertagesstättenverbandes tätig war: „Das hat mich auch immer wieder nach St. Marien und nach St. Willehad geführt.“  Zum anderen ist Santjer Ratsherr und seit 2011 auch einer der drei ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt: „Gerade in dieser Funktion ist mir sehr am Miteinander von Kirchen und Stadt gelegen.“

Gerade vor Ort könne viel bewirkt werden. Santjer denkt da beispielsweise an den ökumenischen Hungermarsch in der Fastenzeit. Seit 1998 ziehen Schulkinder und Mitglieder christlicher Gemeinden durch Cuxhaven und sammeln dadurch Geld für Straßenkinder in aller Welt: „Eine solche Aktion hilft doppelt“, meint der Sozialdemokrat: „Der Erlös lindert konkret die Not und der Weg durch die Stadt schafft Bewusstsein für unsere Verantwortung als reiches Land.“

 

Nun geht es Santjer um das Miteinander von Kirche und Parlament – und er hat da auch einen Wunsch: „Die Kirchen können durchaus noch politischer werden.“ Einmischen ist erwünscht.

„Was Kirchen für Flüchtlinge leisten, ist enorm“

Gerade bei zwei großen Herausforderungen für Niedersachsen sei dieses Miteinander aktuell gefordert. Eine dieser Aufgaben: die Aufnahme und Begleitung von Flüchtlingen. „Was die Kirchen hier leisten, ist enorm“, betont Santjer. Sowohl an konkreter Hilfe, aber auch an politischer Unterstützung: „Wir brauchen in Niedersachsen und in ganz Deutschland eine Kultur, die sagt, dass Flüchtlinge willkommen sind.“ Flüchtlinge und Zuwanderer seien keine Gefährdung, sondern eine Bereicherung: „Das müssen Kirchen und die Politik gerade in diesen Tagen immer wieder deutlich machen.“

Ein solches politisches Zeichen erhofft sich Santjer auch bei einem seiner Herzensanliegen – der gemeinsamen Erziehung und Bildung von behinderten und nichtbehinderten Kindern. „Es ist doch normal, verschieden zu sein“, meint Santjer. Gerade deshalb müsse politisch die Inklusion vorangebracht werden: „Inklusion ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Behinderung, soll überall dabei sein können.“

Auch hier wisse er sich im Ziel einig mit den Kirchen: „Gemeinsam können wir die immer noch großen Hürden abbauen – von Treppenstufen angefangen bis hin zu Berührungsängsten.“

Rüdiger Wala